Arthur Schopenhauer

Nach der Transkription von Charlotte von Gwinner aus dem Original korrigiert von Jochen Stollberg (Dresden)¹

[Die teilweise stark vom heutigen Gebrauch abweichende Schreibweise wurde beibehalten]

Titelblatt der Handschrift.- UB Frankfurt M.; Schopenhauer-Archiv

 

Journal einer
Reise von Hamburg nach
Carlsbad, und vor dort nach
Prag; Rückreise nach Ham
burg


von

A. Schopenhauer


Anno 1800

 

 

Die Reisegesellschaft

Es folgen die Tage des Dresdner Aufenthaltes der Familie Schopenhauer:

Freytag, 5. September [1800]
Da wir heute keinen Pass [nach Wien zu reisen] erhielten riss uns die Geduld aus, u. wir reisten diesen Nachmittag nach Dresden ab. Unser Weg ging über Schlan wo wir uns aber nicht aufhielten, sondern die Nacht durchfuhren. – Auf der ganzen Reise, von Hannover an, hatten wir immer Chaussée gehabt, die höhrte jetzt aber auf, u. die erbärmlichsten Wege traten an ihre  Stelle.

Ludwig Richter: Überfahrt am Schreckenstein; 1837 Dresden, Schloß Pillnitz. Quelle: Wikipedia

Sonnabend, 6. September Diesen Morgen führte uns unser Weg, der voll grosser Felssteine lag, ganz dicht am Ufer der Elbe hin. Jenseits sahen wir den Schreckenstein liegen, ein sehr hoher schroffer Fels der halb im Wasser steht, u. auf dem eine alte berüchtigte Raubburg liegt, die im dreissigjährigen Kriege von den Schweden zerstört wurde. Die ganze Gegend umher ist romantisch schön. Endlich kamen wir mit zerstossenen Rippen u. hungerndem Magen in dem Örtchen Peterswalde an: ein blosses Dorf, das aber obgleich es nur schlechte Häuser u. eine einzige Strasse hat, gewiss eine viertel Meile lang ist. Wir assen hier zu Mittag u. fuhren dann weiter. Sowie wir aus Böhmen heraus waren wurde das Land bebauter, u. wir kamen am Abend in Dresden an.

Dresden, Katholische Hofkirche, Aus: Haenel: Deutscher Barock in Dresden 1922

Sonntag, 7. September Diesen Sonntag giengen wir in die Katholische Kirche, wo wir die ganz ausserordentliche prächtige Kirchenmusik [hörten]. Beim herausgehn defilierte der Churfürst von Sachsen, nebst seiner Familie u. seinem ganzen Hofe, u. auch der Churfürst von Trier dicht bei uns vorbei. Alle waren aufs altmodischste gekleidet: die Herren in seidnen mit Gold gestickten Kleidern, Haarbeuteln, Degen, Chapeau-bas, die Damen mit gewaltigen Reifröcken, hohen Frisuren u. Nadelspitzen Taillen, liessen sich von Bedienten u. Pagen die Schleppe tragen. Überhaupt ist hier alles, besonders aber der Adel sehr altmodisch. Unter der Dienerschaft des Churfürsten fielen mir besonders zwei kolossalische Figuren in Türkentracht auf, sie sind so gross dass sie in sehr wenig Thüren aufrecht stehn können, u. dabei proportionnirt dick. Der Churfürst lässt diese Kerle aus Thüringen kommen.

Handschrift des 12-jährigen Arthur Schopenhauer mit dem unten folgenden Textabschnitt

Montag, 8. September Heute war unglücklicherWeise ein chatolischer Festtag2, weswegen man die meisten Sachen nicht sehen kann. Indessen giengen wir diesen Nachmittag nach dem Zwinger: eine schöne Orangerie die von schönen Gebäuden umgeben ist, in denen allerhand Seltenheiten zu sehn von denen wir einige besahen. Im ersten Gebäude sind lauter Sachen die die jüdische Religion3 betreffen. Ein Tempel Salomonis von Holz, vollkommen richtig nachgeahmt u. ausgemessen. Ein Hamburger Ratsherr liess ihn machen, u. ruinirte sich fast gänzlich dabey, als der Churfürst ihn ihm abkaufte. Auch sind da viele alte jüdische Bücher, sehr schön mit hebreischen Buchstaben auf Pergament geschrieben, u. aufgerollt, auch viele Instrumente zur Verheyrathung, Beschneidung, Scheidung eines Ehepaares, u. andern jüdischen Ceremonien. Darauf giengen wir nach einem anderen Gebäude welches ein Naturalien-Cabinet enthält: es wird in Mineralien-, Thierreich-, u. Coquillien-Zimmer getheilt. Im ersten sahen wir alle möglichen Marmorarten, einige sächsische u. böhmische Steine, Crystall, Bernstein, alle Metallstufen, Platina, Lava, einheimische sächsische Perlen etc. Wir fanden das die sächsischen Naturprodukte den andern an Schönheit gleichkommen. Die grösste Seltenheit sind aber zwey versteinerte Baumstämme: eine Eiche u. ein Palmbaum, die bei Crunitz in der Gegend von Leipzig gefunden sind; geschliffen geben sie einen schönen Marmor ab. Im Thierreichzimmer schien mir dar Merkwürdigste: ein Faulthier, ein erstaunlich grosser englischer Hund, ein ganz kleiner ausgewachsener Hund, eine Antilope, Gemsen, Bären, Löwen, Tiger usw. viele ausländische Vögel, Kröten, Eidechsen, Schlangen, worunter besonders die Klapperschlange, u. die Brillenschlange, deren Biss nach einer Viertelstunde den Tod, u. nach einer Stunde Verwesung des Körpers nach sich zieht. – Im Coquillien-Zimmer sieht man eine Menge sehr schöner Muscheln u. Schnecken, worunter einige sehr kostbare sind. – In den anderen Gebäuden ist die Kunstkammer, ein mathematischer Saal, u. eine Kupferstichsammlung: erstere konnten wir nicht sehn weil der Aufseher krank war, u. letztere muss man vorher bestellt haben. Gegen Abend giengen wir in den Antiquen-Saal, den wir bei Fackelschein sahn, weil die Statüen sich dann wegen des Schatten u. Lichts besser ausnehmen. Wir sahen hier eine der schönsten Sammlungen der Welt, alles Werke der grössten alten Meister, hier zusammengehäuft, u. mehrere Jahrtausende alt. Die vorzüglichsten sind: eine antike Copie die medizeischen Venus, die der, die jetzt in Paris ist, an Schönheit gleichkommen soll; eine griechische Matrone, ganz in ein Gewand gehüllt, die unaussprechlich lebendig aussieht, zwei sich sehr ähnliche Statüen, die sich ins Gewand hüllen, Cupido in der Balge, u. noch eine Menge andre prächtige Statüen. Auch sieht man hier das Grab einer uralten Familie, Mumien, Aschkrüge u. andre tönerne Urnen deren Alter man an der ziemlich groben Arbeit erkennen kann, auch Grabsteine; das ganze Grab soll 4000 Jahre alt seyn.

Dienstag, 9. September Diesen Morgen giengen wir in das berühmte grüne Gewölbe wo der grösste Schatz der Welt ist: es befindet sich beim Schlosse des Churfürsten, u. besteht aus vielen grossen Sählen hintereinander, deren Wände fast ganz von Spiegeln mit einer grünen Einfassung, u. ringsum mit Borten von eben der Farbe, auf denen die Sachen stehn, besetzt sind. In den ersten Zimmer sieht man besonders Kunstsachen, wie schöne Statüen von Bronze und Elfenbein, prächtige Becher mit schönen Figuren von Elfenbein, eine kleine Fregatte von derselben Materie etc.etc. In den übrigen vielen Sählen sieht man eine Menge Kostbarkeiten von denen man ganz betäubt wird, u. man am Ende nicht recht weiss was man gesehen hat. Erstlich bemerkt man ein prächtiges Camin von Marmor, mit Gold u. Edelsteinen beschlagen; Gefässe von Gold u. Silber, reich mit Edelsteinen ausgeschlagen; kleine groteske Figuren von kostbaren Steinen und Perlen; sehr schöne Perlen, worunter einige drey Mal so gross wie eine Wallnuss, aber nicht vollkommen rund sind; ganze Berge von Perlen; sehr schöne Sachen von Bernstein; ein goldenes Ey in dem man wenn man es aufmacht, das Gelbe des Ey’s von Email nachgemacht findet, öffnet man dieses so findet man ein kleines emaillirtes Huhn u. in diesem eine kleine Krone von Edelsteinen. Danach sieht man viele Schwerter u. Degen mit sehr kostbaren Handgriffen u. Scheiden. Dann den Putz des Churfürsten u. seiner Gemahlinn, worunter prächtige Knöpfe von einzelnen Brillanten, wovon jeder so gross wie eine Haselnuss; Hals- u. Armbänder, u. andern Schmuck für die Churfürstinn; Kronen, Schnallen, Hut-Aigretten, usw. von lauter grossen Diamanten; prächtige Epaulets, worauf ein grosser grüner Diamant ist, der einzig in seiner Art, folglich unschätzbar seyn soll; eine Smaragdstufe worauf eine Menge äusserst grosser Steine sind;

Johann Melchior Dinglinger: Der Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb Dresden Staatliche Kunstsammlungen; Grünes Gewölbe, Foto: Jürgen Karpinski

der Hof des Gross-Moguls, ein aegyptischer Altar, alles von Gold u. Edelsteinen etc. - Man sieht endlich so viel Kostbarkeiten dass man nicht den zwanzigsten Theil davon behalten kann, u. wenn man heraus kommt, wundert man sich dass die Strassen u. Häuser nicht von Gold sind.

Das Dresdener Galeriegebäude, Aus: Haenel, E.: Das alte Dresden. München 1925

Vom grünen Gewölbe giengen wir in die Bildergallerie: hier ist eine der schönsten Sammlungen, man sieht hier die prächtigsten Pastell- u. Öhlgemählde, die Nacht von Correggio, die Madonna von Raphael, u. andre grosse Meisterstücke sind die Zierde der Gallerie. –

Von da giengen wir in den gräfl. Brühlschen Garten, der eben nicht hübsch ist aber eine schöne Aussicht auf die grosse Brücke hat. Am Eingange bemerkten wir ein zertrümmertes Gebäude, welches die Jungfer heisst. Man sagte uns dass die Missethäter hier ehemals auf eine besondere Weise hingerichtet wurden: nämlich der Deliquent musste eine Figur in Gestalt einer Jungfer umarmen, alsdann that sich die Erde unter ihm auf u. er fiel auf eine Menge Spiesse, Räder u. Schwerter, von denen er sogleich zermalmt wurde. Friedrich der Grosse hat dieses Gebäude zerstört. – Diesen Nachmittag fuhren wir nach Pillnitz wo der Churfürst Schloss und Garten hat, welches man aber nicht besehen kann. Bei Pillnitz ist der Boersberg4, den wir wegen des schlechten Wetters nur zur Hälfte bessteigen konnten, wo eine künstliche Ruine ist, von der man eine sehr schöne Aussicht hat. Am Abend fuhren wir nach Dresden zurück.

Ludwig Richter: Ruine und Kirche in Tharandt, Aus: L. Richter: 70 mahlerische An- und Aussichten der Umgebung von Dresden. Dresden: Arnold 1820

Mittwoch, 10. September Heute fuhren wir zu Mittag nach Tarant: einem Flecken unweit Dresden. Der Weg dahin führt durch eine reizende romantische Gegend, die wegen ihrer Schönheit weit und breit unter dem Namen des Plauenschen Grunds bekannt ist: ein bald breit, bald schmales Thal das von hohen Felsen eingeschlossen ist, u. von einem Flüsschen durchflossen wird. Tarant ist klein, enthält aber eine mineralische Quelle die von den Einwohnern der ringsherumliegenden Gegenden besucht wird. Es ist von Bergen umgeben, auf denen Promenaden für Churgäste angelegt sind; wir bestiegen nur einen, auf dem eine verfallene Burg steht, von der man eine schöne Aussicht hat. Am Abend fuhren wir bei sehr schlechtem Wetter wieder nach Dresden zurück.

 

 

Kanne aus Böttgersteinzeug, Wikipedia

Donnerstag, 11. September Heute giengen wir nach dem japanischen Palais, um die sich dort befindende Porzellain-Sammlung zu sehn: erstlich zeigte man uns eine Menge Gefässe von Porzellain, welches Aussieht als wenn es von braunem Kupfer wäre; es vereinigt mit den geschmackvollsten Formen, die feinste Glasur, u. eine ausnehmende Leichtigkeit, dabey ist es so hart, dass es geschliffen werden kann.

Johann Friedrich Böttger, Quelle: Scientific Identity

Dieses schöne Porzellain ist von dem berühmten Böttger5 verfertigt worden, der die Kunst Gold zu machen erfand, der damalige Churfürst liess ihn deswegen aber einsperren, damit der Wert des Goldes nicht sinke; in seiner Gefangenschaft erfand er das deutsche Porzellain da in damaligen Zeiten das Porzellain nur aus China und Japan kam, diese Erfindung ward bekannt gemacht, die der oben beschriebenen Gattung gieng aber mit Boettgern verlohren, weswegen dieses in der ganzen Welt nicht mehr zu haben ist.

In einem andern Zimmer sieht man alle Thiere in Lebensgrösse von Porzellain. In den folgenden lauter chinesisches und japanisches Porzellain: unter einer Menge schöner Figuren aller Art fielen mir besonders zwey auf: ein Rosenstock im Blumentopf, u. eine sybirischer Hund der auf einem Kissen schläft, beyde sind ganz ausserordentlich natürlich. – Darauf zeigte man uns eine beondere Art Hautelisse-Tapeten, sie [sind] von lauter Feder u. nehmen sich sehr schön aus. Da es regnete giengen wir in die in demselben Hause sich befindende Bibliothek6: sie ist sehr zahlreich u. füllt zwey Stockwerke aus. Man hat sie in viele Zimmer geteilt, in denen die Bücher nach den Wissenschaften die sie enthalten, vertheilt sind. – Am Abend assen wir auf dem Weinberge des Herrn von der Breling7;

Freytag, 12. September Heute Morgen gieng ich in die Rüstkammer. Hier sah ich eine Menge Waffen aller Art: alte Rüstungen in sehr grosser Menge, einige für Knaben von elf bis zwölf Jahren, verschiedene sind sehr kostbar, ganz von Silber; sie sind alle ungeheuer schwer, denn solch ein vollkommener Helm wiegt nicht unter sechszehn bis zwanzig Pfund. Auch sah ich viele Schwerter, Dolche, Lanzen Fahnen &c. &c. auch viele Sachen die der Gross-Sultan dem Churfürsten schenkte: türckische Kleidungen u. Waffen, sehr reiche Säbel, u. prächtige Pferdegeschirre, &c. alte Kleidungsstücke, die zum Theil sehr reich waren u. dgl. mehr.

Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen, Aus: Haenel: Das alte Dresden. München 1925

Nachmittag besahen wir die Gypsabgüsse: eine sehr schöne Sammlung von den Abgüssen aller schönen italiänischen Statüen.

Festung Königstein, Aus: L. Richter: 70 mahlerische An- und Aussichten der Umgebung von Dresden. Dresden: Arnold 1820

Sonnabend, 13. September Frühmorgens fuhren wir heute Nach der Festung Königstein ab. Der Weg ist sehr angenehm: er führt über Pirnau8 wo wir unser Mittagessen bestellten welches wir auf dem Rückweg einnehmen wollten. Um zwölf Uhr kamen wir beim Königstein an. Der Königstein ist als eine der stärksten Festungen der Welt berühmt. Er liegt auf einem hohen Felsen, der an einigen Stellen mit einen Theil der Mauer bildet.

Die Festung ist, wie uns der Wachtmeister sehr lebhaft demonstrirte, unbezwingbar. Dieser führte uns überall, auf allen Mauern herum: er zeigte uns die Kasematten; dies sind Gewölbe in denen die Soldaten während der Belagerung wohnen, weil sie dort gegen Bomben und Kugeln vollkommen geschützt sind, da über diesen Kasematten zwölf Fuss hoch Erde und Mauer liegt. In den Kasematten ligen eine Menge Mehlfässer, die die Garnison gewiss lange vor Hungersnoth schützen würden, da die Festung nur hundert Mann zu ihrer Verteidigung braucht. Von den Kasematten giengen wir in das Zeughaus, welches nichts merkwürdiges enthält. Und von dort giengen wir über die höchste Mauer, von der man eine ganz unbeschreiblich prächtige Aussicht hat, die sich bis nach Böhmen erstreckt, u. von dort giengen wir nach dem berühmten Königsteiner Brunnen. Dieser Brunnen ist in den Felsen gegraben, 900 Ellen tief, u. hat 7 ½ Ellen Durchmesser. Man zeigte uns seine ungeheure Tiefe in dem man an der Tonne, mit der man Wasser schöpft, einen Kronleuchter befestigte, dessen Lichter uns, als er unten war, nur noch als kleine Funken schimmerten. Als wir alles auf dem Königstein gesehen hatten, fuhren wir nach Pirnau zurück, assen dort, u. am Abend waren wir wieder in Dresden. –

Canaletto: Marktplatz in Pirna, Wikipedia

Sonntag, 14. September Diesen Nachmittag giengen wir nach dem Bade9: ein öffentlicher Garten, der eine sehr schöne Lage hat, u. in dem Sonntags ganz Dresden versammelt ist. –

Theater auf dem Linckeschen Bade, Aus: Haenel: Das alte Dresden 1925

Montag, 15. September Heute bereiteten wir uns, das liebe Dresden in dem wir so manche frohe Stunde gehabt hatten, zu verlassen. Dresden liegt in einer bezaubernden Gegend, die Stadt ist weder gross noch klein, hat aber sehr schöne Gebäude unter denen die10  Grosse Brücke die sehr berühmt ist, gehört; sie übertrifft die Prager Brücke an Grösse, sie hat ein schönes eisernes Geländer in der Mitte steht ein steinernes Kruzifix. Die Einwohner sind sehr altmodisch, im ganzen herrscht hier aber ein sehr angenehmer Ton. Ein jeder hält sich hier einen Weinberg, wie anderwärts ein jeder seinen Garten hat. Fast niemand bewohnt hier ein ganzes Haus, sondern eine jede Familie hat ein, höchstens zwey Stockwerke; da die Häuser sehr hoch sind, wohnen oft viele Famlien in einem Hause. –

Blick über die Große Brücke auf die Neustadt, Aus der Sammlung des Verfassers

Dienstag, 16. September Diesen Morgen um neun Uhr reisten wir ab, um von den schönen Gegenden Sachsens in die Sandwüsten Brandenburgs zu kommen. Bis nach Meissen, wo wir zu Mittag assen, hatten wir noch schöne Wege die uns an reichen Weinbergen u. nackten Felsen vorüberführten: nach Meissen höhren diese aber allmählig auf. Am Abend kamen wir im Dorfe Elsterwerder an, wo wir übernachteten.

Blick zurück auf Meißen, Aus: L. Richter: 70 mahlerische An- und Aussichten der Umgebung von Dresden. Dresden: Arnold 1820

Nachtrag:
Am Ende seines Reisejournals listet Arthur Schopenhauer die Unterkünft während dieser Reise auf. Lediglich in Dresden und Leipzig sind es keine Hotels sondern „Privatlogis“. An der Elbe war es vielleicht der Herr von der Breling.

Das letzte beschriebene Blatt des Reisejournals, UB Frankfurt M.; Schopenhauer-Archiv

Wirthshäuser
In Hanover logierten wir in der Stadt London

-Casselà la cour de Hesse ...
-WeimarKronprinzen
-Jenazur goldenen Sonne
-Carlsbad in der Melone
-Pragim Bade
-DresdenPrivatlogi
-WörlitzEichenkranz
-Dessauim Ringe
-LeipzigPrivatlogi
-Halberstadt im König von Pohlen
-BraunschweigHôtel d’Angleterre

1 Original im Schopenhauer-Archiv der Universitätsbibliothek Frankfurt. Signatur: IX, 1
Das Journal ist bisher zweimal im Druck erschienen:
Gwinner, Wilhelm: Arthur Schopenhauer aus persönlichem Umgang dargestellt. Ein Blick auf sein Leben, seinen Charakter und seine Werke. Kritisch durchgesehen und mit einem Anhang neu herausgegeben von Charlotte von Gwinner. Leipzig: Brockhaus 1922. – Anhang: Journal einer Reise ... S. 209 – 260.
Schopenhauer, Arthur: Die Reisetagebücher. Mit einem Nachwort von Ludger Lütkehaus. Zürich: Haffmanns 1988. – Journal einer Reise ... S. 7 - 43. Diese Ausgabe übernimmt die Transkription Charlotte von Gwinners unverändert.
2 das Fest Mariae Geburt oder „der kleine Frauentag“
3 Nach Auskunft von Dr. Michael Korey, Kustos des mathematisch-physikalischen Salons bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, ist diese Sammlung  im Dresdner Zwinger zugänglich gewesen. Der hier ausführlich erwähnte „Tempel Salomonis“ ist später in das Museum für Hamburgische Geschichte gelangt.
4 Lesefehler bei Gwinner und später: muß nach der Handschrift und der Geographie heißen „Boersberg“ und nicht „Loersberg“
5 Name in der Handschrift in lateinischen Buchstaben
6 Im Besucherbuch der kurfürstlichen Bibliothek (SLUB: Bibl. Arch. 1 A vol 19d S. 317) ist unter dem 11. September 1800 eingetragen: „Schopenhauer de Hambourg“
7 Name in der Handschrift in lateinischen Buchstaben. Bei dem genannten Weinbergsbesitzer handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Johann Carl von der Breling (1777-1837), Bankier, und damit Geschäftsfreund Heinrich Floris Schopenhauers, er war zu dieser Zeit auch der Eigentümer des späteren Kügelgen-Hauses
8 Pirnau: so in der Handschrift, gemeint ist Pirna
9 Linckesches Bad – beliebtes Ausflugsziel der Dresdner, mehrfach literarisch erwähnt (z.B.: ETA Hoffmann, Der Goldene Topf), mit Gartenlokalen und einem Theater
10 Im Druck hier irrtümlich zweimal „die“