Arthur Schopenhauer und Dresden - Eine chronologische Übersicht

„ ... Da ich aber wählen kann, wünsche ich mir einen Aufenthalt der mir schöne Natur, Gegenstände der Kunst und wissenschaftliche Hülfsquellen darbietet und mich auch die nöthige Ruhe finden läßt. Dies alles habe ich, so weit ich auch gereist bin, nirgends so schön vereinigt gesehen als in Dresden, und schon längst war es daher mein Wunsch dort einmal einen dauernden Aufenthalt nehmen zu können...“

Arthur Schopenhauer an Karl August Böttiger, am 24. April 1814

In den Jahren 1800 bis 1825 hält sich Arthur Schopenhauer oft und für jeweils längere Zeit in Dresden auf.

1800, 6. – 16. September
Am 16. Juni des Jahres 1800 tritt die Familie Schopenhauer eine Reise von Hamburg über Hannover, Weimar, Karlsbad, Prag und Dresden an. Unter der Aufsicht der literarisch gebildeten Mutter führt Arthur ein Reisejournal. Während dieser Bildungstour besuchen die Schopenhauers 12 Tage lang Dresden und seine Umgebung.
1804, 9. – 22. August
Am 3. Mai 1803 begibt sich die Familie Schopenhauer auf eine Europareise die bis zum Ende des Jahres 1804 dauert und die Arthur durch Holland, England, Belgien, Frankreich, die Schweiz , Österreich und Sachsen führt. Über diese Reise, die Schopenhauer später als seine „Ausfahrt Buddhas“ werten wird, gibt es ein drei Bände umfassendes Tagebuch.
1812, September/
Oktober
Gemeinsam mit Berliner Kommilitonen nutzt Schopenhauer 1812 die Semesterferien zu einer Reise von Berlin nach Dresden. Dabei hilft ihm ein Empfehlungsbrief seiner Mutter an Karl August Böttiger.
1813, 22. Mai
Schopenhauer verlässt Berlin und reist über Dresden (22. Mai), Weimar, Jena nach Rudolstadt, wo er sich in den Gasthof „Zum Ritter“ zurückzieht und seine Dissertation „Ueber die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“ schreibt.
1813, November –
1814, Mai
Im Anschluß an seine Promotion hält sich Schopenhauer einen Winter lang in Weimar auf. In dieser Zeit erlebt er einerseits Anerkennung durch Goethe und genießt eine anregende Phase glücklicher Gespräche und gemeinsamen Experimentierens zu Fragen des Lichts und der Farben. Andererseits spitzt sich der Konflikt mit der Mutter und ihrer Lebensweise so zu, daß Arthur beschließt, sich als Privatgelehrter in Dresden niederzulassen. Wieder nutzt er den Kontakt zu Carl August Böttiger.
1814, 24. Mai – 1818, 23. September 24. Mai Ankunft in Dresden. Er bezieht seine erste Wohnung an der Frauenkirche, „Neumarkts und Rammsche GaßenEcke; Nr. 647 2 Treppen hoch“ um noch im selben Jahr auf die Neustädter Seite in die Große Meißner Gasse 35, 3. Stock umzuziehen. Er nutzt in den folgenden Jahren regelmäßig die Königliche Bibliothek.
  Während der Dresdner Zeit führt Schopenhauer seine in Weimar begonnenen tagebuchartigen Manuskriptbücher fort, in denen er Lesefrüchte und philosophische Reflexionen auf exakt nummerierten und lokalisierten Bogen niederschreibt. Tagesereignisse und äußere Erlebnisse tauchen niemals direkt in diesen Heften auf.

1814 und 1815 widmet er sich der Fortsetzung der Studien, zu denen er sich durch die Zeit mit Johann Wolfgang Goethe im Winter 1813/1814 angeregt fühlte. Er beendet sein Manuskript „Über das Sehn und die Farben“, schickt es nach Weimar und hofft vergeblich auf eine positive Reaktion.

Als er seine Arbeit 1816 im Druck erscheinen läßt, gibt es nur distanzierte poetische Äußerungen von Goethe.

Als Teil seiner Studien betrachtet Schopenhauer den Besuch der Dresdner Museen, Theater und Opernhäuser. Seine lebenslange Gewohnheit, täglich rasche und weit ausgedehnte Spaziergänge zu machen, ist auch für die Dresdner Zeit belegt. Zwei mehrtägige Ausflüge gelten der Sächsischen Schweiz und dem Erzgebirge mit dem Ziel Teplitz.

Gesellig, wenn auch nicht sehr gemütlich, erlebt man ihn im Kreis der Dichter des Dresdner Liederkranz in der italienischen Wirtschaft des Chiappone.

Auch eine Liebesbeziehung zu einer jungen Frau, die als Kammerzofe beim Dresdner Hof lebt, ist bezeugt. Aus dieser Verbindung geht eine Tochter hervor, die jedoch bald nach der Geburt stirbt.

Das Werk aber, dessen Anfänge er bereits auf seine Weimarer Zeit datiert, ist sein ganzer und wichtigster Lebensinhalt: Im Sommer 1818 schickt er die letzen Manuskriptbogen an den Verleger Brockhaus in Leipzig der „Die Welt als Wille und Vorstellung“ im Herbst 1818 herausbringt.

Unmittelbar nach der Abgabe des Textes bricht Arthur Schopenhauer zu einer Italienreise auf.
1819, 25. August – 1820 13. März In Italien erreicht ihn die Nachricht vom Konkurs des Bankhauses Muhl in Danzig, bei dem die Familie Schopenhauer einen großen Teil ihres Vermögens angelegt hat. Er kehrt nach Dresden zurück, nimmt scheinbar sein Leben mit Studium, Kunstgenuss, Spaziergängen und streitbarer Geselligkeit wieder auf – doch sieht er sich gezwungen, sich auf eine akademische Laufbahn vorzubereiten. Wieder nutzt er dazu die Bestände der königlichen Bibliothek und die der Leseräume der Arnold’schen Buchhandlung.

Am 23. März stellt er sich in der Berliner Universität der „disputatio pro venia legendi“ und tritt anschließend als Privatdozent an der philosophischen Fakultät an.
1824, 13. September- 1825, Mai In Berlin scheitern Schopenhauers Pläne für eine akademische Laufbahn, er findet keine Hörer. Am 27. Main 1822 beginnt Schopenhauer seine zweite Italienreise, die er im Sommer 1824 aus gesundheitlichen Gründen abbrechen muß. Wieder kehrt er, nun noch stärker desillusioniert, nach Dresden zurück. Er versucht seine Lebenspläne zu überdenken und sich seinem Scheitern zu stellen. Seine umfassenden sprachlichen Kenntnisse (neben Griechisch und Latein vor allem Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch) nutzt er um sich als Übersetzer einen Namen zu machen und sein Einkommen zu sichern. Die Ausleihen, die für diese Zeit in der Bibliothek nachgewiesen sind, belegen seine Bemühungen.

Ein Prozess zwingt ihn wieder in das ungeliebte Berlin, nach Dresden kehrt er nun nicht wieder zurück.