Zur Geschichte der Schopenhauer-Rezeption in Dresden

 

Dieser Abschnitt wird unterstützt von der Schopenhauer-Gesellschaft und von der Landeshauptstadt Dresden / Amt für Kultur und Denkmalschutz.

Einführung

Arthur Schopenhauer (um 1816) Stich nach einem Gemälde von Ludwig Sigismund Ruhl



„Da ich aber wählen kann, wünsche ich mir einen Aufenthalt der mir schöne Natur, Gegenstände der Kunst und wissenschaftliche Hülfsquellen darbietet und mich auch die nöthige Ruhe finden läßt. Dies alles habe ich, so weit ich auch gereist bin, nirgends so schön vereinigt gesehen als in Dresden, und schon längst war es daher mein Wunsch dort einmal einen dauernden Aufenthalt nehmen zu können. Ich habe daher große Lust jetzt nach Dresden zu gehen.“

Arthur Schopenhauer an Carl August Böttiger am 21. April 1814


Schon lange bevor Arthur Schopenhauer sich für ein Leben in Dresden entschied, hatte er die Stadt an der Elbe bei Reisen mit seinen Eltern in den Jahren 1800 und 1804 kennen gelernt1. 1812 nutzte er diese Kenntnis, um in den Semesterferien Berliner Kommilitonen die Stadt zu zeigen. 1813, als er seine Studien in Berlin beendet hatte, nahm er wieder den Weg über die sächsische Residenz, um nach Rudolstadt weiterzureisen, wo er sich für die Abfassung seiner Dissertation zurückzog.

Titelblatt der Erstausgabe seines Hauptwerkes von 1818

Nachdem er den Winter 1813/14 in Weimar zugebracht hatte, siedelte er im Mai 1814 nach Dresden über. Er nutzte die vielfältigen Möglichkeiten Kunst und Wissenschaften zu studieren, genoß die Theater, die angenehme Umgebung und die schöne Lage der Stadt und spielte in dem geselligen Kreis, der sich in der italienischen Wirtschaft „Da Chiappone“ regelmäßig versammelte, die Rolle des jugendlichen Provokateurs.  In dieser Stadt schrieb er zunächst seine Goethe zugedachte Abhandlung „Über das Sehn und die Farben“. Seine Lebensaufgabe aber fand er im Ausbau seines philosophischen Hauptwerks, das unter dem Titel „Die Welt als Wille und Vorstellung“ im Herbst des Jahres 1818 bei Brockhaus in Leipzig erschien. Die Ablieferung des Manuskripts an den Verleger übernahm sein Freund Johann Gottlob von Quandt, wie auch das Nachsenden der Korrekturbögen und die Verteilung der Belegexemplare – Schopenhauer hatte sich auf eine Reise nach Italien begeben.

Als 1819 der Zusammenbruch des Bankhauses Muhl in Danzig die finanzielle Situation der Familie Schopenhauer entscheidend verändert hatte, kehrte der Philosoph am 25. August 1819 vorzeitig von seiner Italienreise zurück und bereitete sich in den folgenden acht Monaten in Dresden auf seine Habilitation bei der Berliner Universität vor.



Nach seinem Mißerfolg als akademischer Lehrer in Berlin, unternahm er 1822 eine zweite Reise nach Italien, kehrte krank zurück und ließ sich ab September 1824 erneut für acht Monate in Dresden nieder. Resigniert schrieb er an seine Schwester Adele: „Was ich in der Welt allein eigentlich gewollt habe, habe ich vollbracht, mein Buch: da nun für meine mäßigen Bedürfnisse mein Vermögen ausreicht, werde ich denn wohl den Rest meiner Tage, deren größte Hälfte schon vorüber ist, in Dresden leben, wie immer, bloß mit meinen Studien und Gedanken beschäftigt, bis man mich etwa zu einem Lehrstuhl beruft, aber wahrscheinlich erst dann, wenn man wird erkannt haben, wer ich bin: wo nicht: dann nicht -“.

Ein Zivilprozess rief ihn 1825 nach Berlin zurück. 1830 verließ er Preußen um sich 1831 in Frankfurt am Main niederzulassen. Nach Dresden kehrte er nicht wieder zurück, doch belebte das später aufkommende Interesse an seinem Werk die Verbindung zu Dresden erneut.


1 Siehe die ausführliche Darstellung im Internet: Arthur Schopenhauer und Dresden: http://www.schopenhauer-dresden.de/