Johann Gottlob von Quandt (1787-1859)

 „Wie sehr muß es mich freuen, mein werther Herr von Quandt, daß endlich meine Philosophie auch Ihnen einiges Interesse abgewonnen hat, und dies zu einer Zeit, einer wahren Schwerenothszeit, da keiner mehr ein Buch aufmacht, sondern nichtswürdige Zeitungen das Monopol gelesen zu werden usurpirt haben.“

Arthur Schopenhauer an Johann Gottlob von Quandt am 28. Januar 1849

 

Julius Schnorr von Carolsfeld, Johann Gottlob von Quandt 1820 Quelle: Zeno.org

Aus dem Personenkreis, mit dem Arthur Schopenhauer in seinen Dresdner Jahren (1814-1825) Umgang pflegte, ist allein die Bekanntschaft mit Johann Gottlob Quandt1 zu einer lebenslangen Freundschaft gewachsen. Doch hatte diese zunächst und jahrzehntelang lediglich persönlichen Charakter. Quandt hatte zwar das Manuskript von „Die Welt als Wille und Vorstellung“ zum Verleger Brockhaus nach Leipzig gebracht, hatte seinem Freund die Aushängebögen des Drucks nach Italien nachgesandt und es übernommen und die fertigen Geschenkexemplare ihren von Schopenhauer bestimmten Adressaten nachzusenden. Doch das Exemplar, das für ihn selbst bestimmt war, hatte er erst im Revolutionsjahr 1848 gelesen. In einem 12-seitigen Brief2 berichtet der neubekehrte Schopenhauerjünger von seinem Leseerlebnis und setzt sich kritisch mit Schopenhauers Pessimismus, mit der Willensverneinung und dem Egoismus auseinander.

Quandts Wohnsitz im Schloß Dittersbach mit Blick auf den von Quandt als „begehbares Goethe-Monument“ auf der Schönen Höhe errichteten Turm „Belvedere“.

Quandt, der zu Beginn der 30-er Jahre ein Rittergut in Dittersbach, unweit Dresdens, gekauft hatte, nimmt die Lektüre der 1854 erschienen zweiten Auflage von Schopenhauers Schrift „Ueber den Willen in der Natur“ zum Anlaß für einen Brief3  an Arthur Schopenhauer. Mit eigenen Beobachtungen in der ländlichen Umgebung unterstreicht er seine Zustimmung zur Willensauffassung seines Freundes. Darüber hinaus erwähnt er den von ihm angestellten Eschdorfer Pfarrer Johann Karl Seidemann4 als wichtigen Gesprächspartner aus seiner näheren Umgebung. Zwischen diesen beiden Männern sei Schopenhauers Philosophie regelmäßig Gegenstand der Unterhaltung.
Zwei  weitere, in diesem Brief erwähnte Anhänger Schopenhauers sind der Dresdner Akademieprofessor und Maler Johann Karl Bähr und sein Sohn, der spätere Jurist, Carl Georg Bähr.

Quandt5, der seine kunsthistorischen Kenntnisse stets durch ausgedehnte Reisen erweitert, besucht immer, wenn sein Weg sich irgend über Frankfurt legen ließ, seinen alten Freund in Frankfurt. 1857, fast am Ende des Lebens (Quandt starb 1859, Schopenhauer 1860), tauschen beide je ein Porträt von sich aus. Darüber schreibt Quandt einen ausführliche Brief6 an Schopenhauer, bei dem es um die Frage der Porträtmalerei in Allgemeinen und um ein Bild des Künstlers Jules Lunteschütz im Besonderen geht.

Als der junge Jurist Karl Georg Bähr 1857 seine Abhandlung über die Schopenhauersche Philosophie an Quandt geschickt hatte, entspann sich ein ausführlicher Briefwechsel7 zwischen dem 70-jährigen Quandt und dem mehr als eine Generation jüngeren Verfasser über ihr jeweiliges Verhältnis zu Schopenhauer und seiner Philosophie. Quandt war mit Karl Georg Bährs Vater, dem Maler und Professor an der Kunstakademie Johann Karl Bähr nicht nur durch den sächsischen Kunstverein bekannt, beide gehörten denselben künstlerischen und intellektuellen Kreisen in Dresden an, in denen sie, jeder auf seine Weise, beitrugen, die Philosophie Schopenhauers auch unter Laien bekannt zu machen.  


1 Siehe auch den Abschnitt „Quandt und die Schopenhauers“ in „Arthur Schopenhauer und Dresden“:  www.schopenhauer-dresden.de
2 Dokumentenanhang 1: Brief von Quandt an Schopenhauer vom 19. Januar 1849. (pdf)
3 Dokumentenanhang 2: Brief von Quandt an Schopenhauer vom 12. Januar 1857. (pdf)
4 Seidemann, Johann Karl (1807-1879) bedeutender lutherischer Theologe, gilt als der Begründer der modernen Lutherforschung. Seit 1834 Pfarrer in Eschdorf, Herausgeber der Briefe Martin Luthers, Verfasser einer Biographie Thomas Münzers, verschiedener Schriften zur Refomationsgeschichte und zur Geschichte der Landschaft und der Dörfer rund um Eschdorf.
5 Dokumentenanhang 3: Bibliographie Johann Gottlob von Quandt. (pdf)
6 Dokumentenanhang 4: Brief von Quandt an Schopenhauer vom 8. April 1857. (pdf)
7 Veröffentlicht durch Karl Georg Bährs Sohn Georg Bähr im Schopenhauer-Jahrbuch 1940, S.99-108