Johann Karl Bähr (1801-1869)

„Viele Besuche habe erhalten …  - Maler und Professor Bähr aus Dresden: der hat mir sehr gefallen, brav und gescheut: kennt alle meine Schriften sehr genau und ist voll davon: sagt, daß in Dresden großer Antheil daran ist, besonders die Weiber wären ganz versessen darauf.“

Arthur Schopenhauer an Julius Frauenstädt am 7. September 1855

Johann Karl Ulrich Bähr, Foto im Schopenhauer-Archiv der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main

Johann Karl Ulrich Bähr war ein Nachfahre des berühmten Erbauers der Dresdner Frauenkirche George Bähr und wurde 1801 in Riga, das damals zum Russischen Reich gehörte, in einer Kaufmannsfamilie geboren. Der spätere Kunstmaler und Dresdner Akademieprofessor1 gehört zu den ersten Schopenhaueranhängern, die in Dresden durch ihren Beruf und ihre gesellschaftliche Stellung zur Verbreitung der Kenntnisse des Philosophen an der Elbe beitrugen. Im August 1855 besuchte er Schopenhauer in Frankfurt zum ersten Mal und stand seither mit ihm in Briefwechsel. Der vielseitige Bähr setzte sich in Vorträgen, Veröffentlichungen und in seinem weiten Freundes- und Bekanntenkreise für die Philosophie Schopenhauers ein. Besonders stark förderte er bei seinem Sohn, dem späteren Dresdner Rechtsanwalt und Notar Karl Georg Bähr, die eingehende Auseinandersetzung mit der Philosophie Arthur Schopenhauers.

Zu persönlicher Erinnerung überließ Arthur Schopenhauer dem Maler, der sich auch intensiv mit Goethes und Schopenhauers Farbenlehre befaßt hatte, eines seiner Prismen, die er selbst für Versuche genutzt hatte.

Etui des Prismas Schopenhauers aus dem Nachlaß Johann Karl Bährs (Schopenhauer-Archiv)

Aus Anlaß der Gründung der Schopenhauer-Gesellschaft im Herbst 1911, schenken die beiden unverheiratet gebliebenen Töchter Johann Karl Bährs, Angelica und Caecilie, dieses Prisma der im Entstehen begriffenen Sammlung des Schopenhauer-Archivs.

Ein Prisma Schopenhauers aus dem Nachlaß Johann Karl Bährs (Schopenhauer-Archiv)

Auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden befindet sich die, mit Hilfe des Dresdner Amts für Kultur und Denkmalpflege, 2010 wiederhergerichtete Grabstätte der Familie Bähr.


Quellen:

-    Briefe Johann Karl Bährs im Schopenhauer-Archiv der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main.

-    Arthur Hübscher: Arthur Schopenhauer Gespräche. Stuttgart; Bad Cannstatt: Frommann 1971. S. 213 ff.

Umschlag der Veröffentlichung der Vorträge Johann Karl Bährs, in denen er sich stark auf Schopenhauers Arbeit stützt.

1 Dokumentenanhang 01: Bibliographie Johann Karl Ulrich Bähr. (pdf)