Die Konsolidierung der Dresdner Ortsgruppe in den Jahren nach 1920




Wieder wird die erfolgreich verlaufene Generalversammlung in Dresden Anlaß, die Ortsgruppe organisatorisch weiterzuentwickeln. Im Dezember 1920 gibt der Vorstand der Ortsgruppe den Mitgliedern die beschlossene Satzung1 bekannt.

Personell setzt sich der Vorstand2 zusammen aus:

  • Professor Paul Büttner, Komponist und Direktor des Dresdner Konservatoriums als Vorstandsvorsitzender
  • Dr. Richard Böttger, Dozent der Gehestiftung, als Stellvertreter
  • Fritz Hammer, Kaufmann, als Schriftführer und Kassenwart

Diesem Vorstand steht ein wissenschaftlicher Beirat zur Seite, dem angehören:

  • Dr. Richard Böttger
  • Dr. Paul Theodor Hoffmann, Philosoph, Schriftleiter des Feuilletons bei den Dresdner Neuesten Nachrichten
  • Dr. Franz Mockrauer, Philosoph, Leiter der Dresdner Volkshochschule, enger Vertrauter Paul Deussens und für die Ortsgruppe die wichtigste Person für die kommenden Jahre
  • Dr. Karl Wollf, Dramaturg am Schauspielhaus in Dresden

Es wird ein Jahresbeitrag von 4 Mark festgesetzt und, von vornherein davon ausgegangen, daß zur Verwirklichung des ehrgeizigen Programms Spenden den größten Teil der Kosten decken müssen.

Mit der Ortsgruppe der Kantgesellschaft sollen Vereinbarungen getroffen werden, die eine enge Zusammenarbeit beider Vereine und eine gegenseitige Privilegierung ihrer Mitglieder zum Gegenstand haben.

Vorgesehen sind Vortragsveranstaltungen für jeden Monat und für das erste Quartal des Jahres 1921 gibt es bereits ein festes Programm mit Rednern, die sich alle unterschiedlichen Aspekten von Oswald Spenglers Buch „Der Untergang des Abendlandes“ widmen.

Etwa gleichzeitig wird eine Liste3 aller Mitglieder der Ortsgruppe veröffentlicht, aus der hervorgeht, daß nicht alle, die sich der Ortsgruppe verbunden fühlen, auch in der Gesamtgesellschaft eingetragen sind: Die Liste führt 81 Personen mit Namen und Titeln auf, von denen 39, das heißt knapp 40 %, Frauen sind. 17 der in der Liste enthaltenen Namen fehlen im Mitgliederverzeichnis der Gesamtgesellschaft, wie es in den Jahrbüchern veröffentlicht ist.

Ebenso erstaunlich ist es, daß die Ortsgruppe zwar eine organisatorische Form gefunden hat, sie aber nirgends als ein eigener Verein geführt wird. So gibt es weder einen Eintrag im Dresdner Adressbuch, das über eine eigene Rubrik „Vereine“ verfügt, noch in den Dresdner Archiven Hinweise auf diesen Verein.

Für die drei Veranstaltungen, die in Dresden für die Gesamtgesellschaft ausgerichtet worden sind, ist stets die Technische Hochschule Gastgeber gewesen und mehrere Dresdner Professoren sind innerhalb dieser Veranstaltungen als Redner aufgetreten. Leider gibt es auch darüber keine Unterlagen im heutigen Universitätsarchiv.

Alle heute zugänglichen Akten, die vor allem dem Fleiß und der Gründlichkeit Franz Mockrauers zu verdanken sind, befinden sich im Bestand „Akten der Schopenhauer-Gesellschaft“ im Archivzentrum der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main. Vermutlich hat Mockrauer sie unmittelbar vor seiner Flucht aus Deutschland 1933 nach Frankfurt gegeben.


1 Dokumentenanhang 1: Mitteilung an die Mitglieder.
2  Für alle im Text genannten Personen gibt es eine Karte mit biographischen Daten in der Personendatenbank.
3  Dokumentenanhang 2: Liste der Mitglieder der Ortsgruppe Dresden.