Franz Mockrauer (1889 - 1962)


Franz Mockrauer, Schüler und Mitarbeiter Paul Deussens, ist die zentrale Figur     der Dresdner Ortsgruppe der Schopenhauer-Gesellschaft und maßgeblich beteiligt an der inhaltlichen Entwicklung des Schopenhauer-Jahrbuchs.

 „Aber so wenig die pessimistische Weltanschauung den tapferen Kampf gegen     unerträgliche Verhältnisse in der menschlichen Gesellschaft ausschließt, so wenig ist die Lehre von den angeborenen Eigenschaften unvereinbar mit dem Glauben     an den Wert der Erziehung durch geistige Arbeit.“

Arthur Hübscher im Nachruf auf Franz Mockrauer
im Schopenhauer-Jahrbuch XXXXIV, 1963

Eine Schrift aus der Erwachsenenbildung

Daten zu Leben und Leistung1

-    1889, 10. August geboren in Berlin, Sohn eines Bankiers.
-    1908  Abitur am Kaiser-Wilhelm Gymnasium in Charlottenburg.-    Studiert klassische Philologie, Philosophie, Psychologie, Pädagogik in Freiburg, Kiel und Berlin.
-    1911 Gründungsmitglied der Schopenhauer-Gesellschaft. Mitarbeit an der von Paul Deussen begründeten Schopenhauer-Gesamtausgabe des Piper-Verlages.
-    1913 Reise nach Dresden um im Zusammenhang mit der genannten Edition den Nachlaß Carl Georg Bährs zu untersuchen. Bekanntschaft mit Johanna Bähr. Im selben Jahr erscheinen in zwei Bänden die von ihm bearbeiteten Manuskripte zu Schopenhauers Berliner Vorlesungen.
-    1914 Dissertation über Arthur Schopenhauers handschriftlichen Nachlaß. Verlobung mit Johanna Bähr.
-    Im Ersten Weltkrieg als Freiwilliger im Sanitätsdienst.
-    1917 Heirat mit Johanna Bähr. Übersiedlung nach Dresden.
-    1919 wird er Mitarbeiter der Dresdner Volkshochschule unter ihrem Gründer Karl Reuschel und
-    1923 ihr Leiter.
-    1920 unter Berufung auf die vorhandene Infrastruktur betreibt er erfolgreich die Verlegung der Generalversammlung von Frankfurt am Main, das unter den Problemen französischer Besatzung leidet, nach Dresden.
-    1920 tritt er gemeinsam mit dem Komponisten Paul Büttner (Vorsitzender), dem Naturwissenschaftler Richard Böttger (wissenschaftlicher Leiter), dem Geschäftsmann Fritz Hammer (Schriftführer und Kassenwart) sowie als Beisitzer, den Theatermännern Paul Theodor Hoffmann und Karl Wollf mit der bereits informell bestehenden Ortsgruppe Dresden der Schopenhauer-Gesellschaft an die Öffentlichkeit.
-    1920-1933: Offiziell ist Mockrauer zwar nur eines der vier Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats, doch führt er nahezu die gesamte Korrespondenz der Ortsgruppe um die zahlreichen Veranstaltungen in Dresden sowie Publikationen zu organisieren.  Dazu pflegt er den nicht immer spannungsfreien Kontakt zum Vorstand der Gesamtgesellschaft in Frankfurt am Main. Zahlreich sind seine eigenen wissenschaftlichen Beiträge, sei es als Vortrag in den Veranstaltungen der Dresdner Ortsgruppe, sei es in Aufsätzen für das Jahrbuch, dessen Gesamtgestaltung er in diesen Jahren wesentlich mitbestimmt.
-    1933 emigriert er gemeinsam mit seiner Frau Johanna zunächst nach Dänemark, bald darauf nach Schweden. In beiden Ländern beteiligt er sich theoretisch und praktisch an der Entwicklung der Erwachsenenbildung. Bis 1936 veröffentlicht das Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft seine Beiträge. Im folgenden Jahr werden alle jüdischen Mitglieder des Vorstandes der Schopenhauer-Gesellschaft „hinausgewählt“.
-    Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beteiligt sich Franz Mockrauer aktiv mit Vortragsreisen und Publikationen am Aufbau eines demokratischen Erwachsenenbildungssystems in Westdeutschland. Im Schopenhauer-Jahrbuch veröffentlicht er erst seit 1956 wieder eigene Beiträge.
-    1962, am 6. Juli stirbt Franz Mockrauer in Stockholm.


1 Dokumentenanhang: Bibliographie Franz Mockrauer