Die Entwicklung der Ortsgruppe statistisch

In der Zeit von der Gründung der Schopenhauer-Gesellschaft bis zur letzten Verzeichnung 1944, der bereits erwähnten Ungenauigkeit in der Dokumentation eingedenk, waren 203 Personen aus Dresden und der näheren Umgebung in den Mitgliederverzeichnissen des Jahrbuchs aufgeführt. Davon waren 124 (60,9%) männlichen und 78 (38,6%) weiblichen Geschlechts. Die höchste Zahl wurde mit 136 im Jahr 1921 erreicht.

Ein Teil des Rückgangs hängt mit dem Lebensalter der Mitglieder zusammen: Viele gehörten der Generation Paul Deussens an. Die Zahl der neu hinzukommenden Mitglieder konnte die durch Todesfälle zu verzeichnenden Verluste nicht ausgleichen.  Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus und mit dessen Machtübernahme im Jahre 1933 endete de facto die Tätigkeit der Ortsgruppe. Mehrere Mitglieder emigrierten aus Deutschland, andere verloren ihre Ämter und ihren Lebensunterhalt, blieben aber in Deutschland, einige wurden deportiert und von den Nazis ermordet. Da sich nicht alle Lebensläufe sicher nachzeichnen lassen, soll hier auf die Kurzbiographien in der Personendatenbank hingewiesen sein. Unter den Dresdner Mitgliedern hat sich nur ein einziger offen zu Nationalsozialismus und dessen Antisemitismus bekannt.

Der relativ hohe Anteil von Frauen, darunter die Frauenrechtlerin Katharina Scheven und die sozialdemokratische Abgeordnete und Journalistin Eva Büttner, deutet darauf hin, daß in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Klischee vom „Weiberfeind Schopenhauer“ noch nicht so ideologische einengend die öffentliche Meinung dominierte.

Interessant sind auch die Zahlen für die berufliche Herkunft der Mitglieder:

 

Juristen 20
Kaufleute, Fabrikanten und Bankiers 17
Lehrer 13
Künstler (Maler, Musiker, Architekten) 12
Mediziner 8
Schriftsteller 6
Politiker 6
Philosophen (und  Philosophiestudenten) 5
Ingenieure 5
Beamte und Angestellte 4
Theologen 3
Privatiers 1
Offiziere 1
Landwirte 1

Für fast genau die Hälfte der Namen (102) liegen keine Angaben zum Beruf vor.